V O X V o k a l q u a r t e t t

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Konzepte - about silence... (Musiktheater)

Werke: Javier Hagen, '55 minuten' (Text: John Cage) 2002/03 - Javier Hagen, 'about silence...' 2003 (Text: Robert Lax) Regie: Volker Ranisch. Gesamtdauer ca. 80'. Mit: Claudia Dieterle, Eva Nievergelt a.G., Javier Hagen und Norbert Günther.

Erläuterungen: Neues Musiktheater mit der Uraufführung zweier neuer Werke von Javier Hagen in der Inszenierung von Volker Ranisch. Eine humorvoll-stille Musikperformance zu vier Stimmen, ein Abend der leisen Töne, minimalen Verschiebungsprozesse. Der Abend thematisiert Inhalte, die sich ergeben, wenn Musik- und Sprachzellen immerfort wiederholt werden und sich als Klänge verselbständigen - Sprache und Musik als Projektion auf dem Weg von Nirgendwo nach Nirgendwo. Musikalische Reflexionen über Stille, Kurz- und Langfristigkeit.

'55 minuten' übernimmt die Proportionen von Cages Vortrag und erweitert jede ursprüngliche Minute um 12 Sekunden. Geräusche, Sprache und musikalische Motive werden nach einem spielerischen System musikalisiert. Dieses liefert das rhythmisch-klangliche Raster für den sprechgesanglichen Vortrag (Minimal Rap). 'about silence...' ist ein stück über das Atmen, über das Wechseln zwischen Wachsamkeit und Schlafwandel. Zahlenverhältnisse, die im Mikro- und Makrobereich melodisch und rhythmisch immer gegenwärtig sind, verleihen dem Werk Geschlossenheit angesichts der einsätzigen Llänge von etwa 30 Minuten und der Langsamkeit in der musikalischen Entwicklung. die musikalischen Motive sind in Anlehnung an Lax' Sprache knapp gehalten, deren Permutationen hingegen zahlreich. mit Hilfe von Zeit wird ein kleines vokabular ausgereizt, entleert und damit für Stille aufbereitet. Pressestimmen: Mild absurder Kunstraum - 'Wenn John Cage sein Nachdenken über Musik in die Form eines Vortrags kleidete, so wurden daraus nicht herkömmliche Referate, sondern wiederum musikalische Performances, (...) die sich in jenem paradoxen Raum abspielen, in dem das Nachdenken über Musik bereits die Musik ist, analog zum Cageschen Raum, der ohne Beitrag eines schöpferischen Subjekts, bereits Klang ist. Wenn nun (...) Javier Hagen Fragmente aus '45 Minuten' für Vokalquartett 'vertont', so bricht er diese paradoxe Rückkoppelung auf (...), was vom Prinzip her problematisch sein mag, aber, losgelöst von Prinzipiellem, etwas Neues schafft. Dieses Neue heisst nun '55 Minuten' und stellt Cages sprechmusikalisch gelesene Texte, von Volker Ranisch behutsam theatralisch inszeniert, in einen neuen Klangraum. Dieser ist nun nicht mehr Cages universelle Stille, sondern ein geschlossener Kunst-Kunstraum von gemildeter Absurdität (...) die minimalistischen Töne des Vox Vokalquartetts schliessen das Geräusch zwar nicht aus, zelebrieren aber in erster Linie den gereinigten dissonanten Schönklang kunstvollen A Cappella-Gesanges. Ein Meta-Cage sozusagen lädt hier zum postmodernen Geniessen. Auch in 'about silence' umfängt Javier Hagen die unangestrengte Minimal-Poesie von Robert Lax (...) mit statischer Bewegung und repetitiven Tonmustern in kalkulierten Permutationen. Höchstens augenzwinkernd wird die Ästhetik von nun fast schon geistlicher Reinheit etwas aufgebrochen, die die wunderbar homogenen Stimmen von Claudia Dieterle, Eva Nievergelt, Javier Hagen und Norbert Günther ausstrahlen.' (Michael Eidenbenz, Tages-Anzeiger, Zürich, 4. Februar 2004)

Foto: Julieta Schildknecht, Zürich